Venedig Biennale 2

Der Französische Pavillon

Im Französischen Pavillon zeigt Julien Creuzet sehr beeindruckende Videoarbeiten. Für die Kuratorinnen spielten wohl Referenzen zu Martinique und der kolonialen Vergangenheit Frankreichs eine Rolle. Für mich war ganz einfach die Schönheit der Video-Loops sehr wichtig. Animiert tanzende bronzene Brunnenfiguren und im Orbit um sie gleitende Wassertropfen. Technik, wie riesige LED-Screens und offensichtliche Beherrschung von KI-Tools zur Video-Animation lieferten auch für Laien ein tolles Erlebnis.
Meine innige Beziehung zum Neptun-Brunnen in „meinem“ Stadtpark habe ich im Graffiti Blog-Beitrag schon erwähnt.

Der Deutsche Pavillon

Von Cağlar Ilk kuratiert beeindruckte mich besonders der Teil von Ersan Mondtag. Der Theater-Regisseur (einer der wenigen Deutsch-Türken, der seinen Namen Aygün eingedeutscht und wörtlich übersetzt hat) lässt in seiner mehrstöckigen Installation sein Elternhaus in Deutschland wiedererstehen und setzt reale Schauspieler*innen ein, um die Rauminstallation zu beleben.
Der Feinstaub, der den Arbeitsplatz seines Vaters belastet hatte und schließlich für seine tödliche Lungenkrankheit verantwortlich war, legt sich über alle Flächen des Hauses und wird Sinnbild für die Schwere und Traurigkeit des Gastarbeiter-Daseins. Dabei wirkte die Szene auf mich weniger plakativ-anklagend als anrührend und würdevoll, bezogen auf die Lebensleistung und die Opfer der ersten Zuwanderer-Generation.

TRIK-Training interkultureller Kompetenz

Im Training ist es oft wichtig auf die Leistung der Zuwanderer verschiedener Epochen hinzuweisen, allzu oft haben Menschen nur die von Rechten und von den Boulevard-Medien behauptete Zuwanderung in die Sozialsysteme im Kopf. Allerdings ist im Training nicht die politische Richtigstellung, sondern die Vermittlung auch emotional nachvollziehbarer Erzählungen wichtig. Mondtag liefert dafür ein zitierfähiges Narrativ.
Auch beim Umgang mit Kolonialismus finde ich es wichtig, statt mit immer neuen „woken“ Vokabeln, die bei vielen Trainees Widerstand auslösen, mit biographisch nachvollziehbaren und deshalb glaubwürdigen und weniger Widerstand auslösenden guten Geschichten zu arbeiten. Gute Geschichten leben von ihrer ästhetischen Form und von Zusammenhängen zwischen dem Eigenen und dem Fremden die überraschend, oft verblüffend und unerwartbar entstehen.

















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